Berufswahlunterricht

Persönliche Vorstellungen und Selbstansichten in Einklang zu bringen mit einer ganz bestimmten beruflichen Tätigkeit ist das anspruchsvolle und zugleich auch spannende Thema im Berufswahlunterricht.

Zu werden was man ist, also seine Persönlichkeit auf ein bestimmtes Ziel hin zu entwickeln, bedarf das eigene Handeln kontinuierlich mit den persönlichen Annahmen zu vergleichen und dadurch immer wieder den Zugang zu den eigenen Haltungen und den eigenen Überzeugungen zu finden.

Sich Gedanken zu machen, wen man eigentlich meint, wenn man „ich“ sagt, welche Haltungen man als junger Mensch dann vertritt und an welchem konkreten Verhalten man diese an der eigenen Person festmachen kann, ist eine Notwendigkeit, wenn es darum gehen soll,  sich im Bewerbungsprozess für seinen zukünftigen Lehrmeister oder für seinen zukünftige Lehrmeisterin erfahrbar zu machen.

Der Berufswahlunterricht zielt deshalb zunächst einmal auf eine Fokusierung nach innen, auf die eigenen Potenziale und Dispositionen und erst in einem weiteren Schritt auf deren Passung nach aussen, auf ein bestimmtes betriebliches bzw. berufliches Umfeld, wo sich auf der Basis einer bewusst differenzierten, individuellen Persönlichkeit eine berufliche entwickeln soll.

Der Prozess der Berufswahl beginnt darum zunächst mit Vergleichen der Selbstsichten mit Aussensichten zur eigenen Persönlichkeit und den eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Die Schülerinnen und Schüler holen sich dazu auch Expertisen ein und erfragen Meinungen bzw. hinterfragen persönliche Einstellungen und Haltungen.

In einem nächsten Schritt lernen die Schülerinnen und Schüler den Prozess der Berufswahl detailliert in einer Übersicht kennen und analysieren die Verfahrenstechniken einer Bewerbung schrittweise und im Detail. Sie erkennen dabei die Erfolgs- bzw. Misserfolgsfaktoren, die zum Gelingen bzw. Misslingen einer Bewerbung massgeblich beitragen.

Danach  werden die Ressourcen der Schülerinnen und Schüler in zwei Intensivwochen umfassend gestärkt, Motive transparent gemacht und persönliche Motivation daraus abgeleitet. Über ein spezielles Kompetenztraining befähigen sie sich selbst, ihr Handeln aktiv und aus eigenem Antrieb mitzugestalten. Sie erleben in verschiedenen kleinen Assessments, wie bereichernd es ist, auf der Basis selbstbestimmten Handelns für sich selber gut Entscheide zu treffen und sich dabei wirksam zu erleben.

Die Überarbeitung der persönlichen Bewerbungsdossier im Anschluss nimmt viel Raum in der individuellen Lernzeit und im Lernraum ein. In einer eigens dazu organisierten Schreibwerkstatt sowie im Berufswahlcoaching lernen die Schülerinnen und Schüler die Beschreibungen ihrer fachlichen und überfachlichen Kompetenzen sowie ihrer Motive und Motivationen in Passung zu bringen mit den betrieblichen Anforderungen der Fimen, bei denen sich sich um Lehrstellen bewerben.

Begleitend dazu werden im Rahmen individuell selbstorganisierten Lernens fachliche Lücken geschlossen bzw. Stärken erweitert. Letzteres zielt vor allem auch auf die Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfungen an Berufs- und Fachmittelschulen sowie auf die Multichecks bzw. anderer betrieblicher Aufnahmeprüfungen.

Mit der schrittweisen Realisierung individueller Anschlusslösungen werden sodann die rechtliche Fragten im Zusammenhang mit dem Lehrvertrag, die beruflichen Weiterentwicklungsmöglichkeiten sowie die verschiedenen Probleme, mit denen sich die Lernenden in ihren Ausbildungsbetrieben konfrontiert sehen, eingehend thematisiert. Wir greifen dazu auch immer wieder zurück auf Erfahrungen, die ehemalige Schülerinnen und Schüler in ihren Berufslehren und an Mittelschulen gemacht haben.

Der Abschluss der Berufswahl erfolgt über ein kleines Projekt mit dem Titel „Meine Erfolgsbewerbung“, worin alle Schritte des persönlichen Berufswahlprozesses noch einmal eingehend reflektiert, evaluiert und in einer Abschlusspräsentation transparent gemacht werden.

Einige Erfahrungen, welche meine Schülerinnen und Schüler beim Durchlaufen dieses Jahres gemacht haben finden Sie unter Feedback zum Berufsvorbereitungsjahr BVJ.

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